Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2017

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Ökonomische Bildungsprozesse in Schülerfirmen – zwischen intentionalem und inzidentellem Lernen im entgrenzten Unterricht
Isabelle Penning

Gebäude: Helsinki
Raum: 165
Datum: 02.03.2017 15:10 – 15:45
Zuletzt geändert: 13.11.2016

Abstract


Die ökonomischen Bildungsprozesse, die in der Unterrichtsmethode Schülerfirmen stattfinden, sind sowohl durch intentionales als auch durch inzidentelles Lernen geprägt. Die variantenreichen intentionalen Schwerpunkt­setzungen, welche Lehrkräfte bei der Konstruktion von Schülerfirmen vornehmen, werden durch selbstläufige  ökonomische Lernprozesse ergänzt, die sich aus der Handlungs­praxis eines wirtschaftlichen Unternehmens ergeben. Dabei nehmen die Lehrkräfte ein Dilemma zwischen der pädagogischen Zielsetzung und der Wirtschaftsorientierung der Schülerfirma wahr. Anhand einer Typik wird aufgezeigt, welche Lösungsmöglichkeiten die Lehrkräfte entwickeln und wie diese ihre Handlungspraxis der ökonomischen Bildung in Schülerfirmen prägen.

Gleichzeitig findet mit Schülerfirmen eine „Entgrenzung“ statt, die dazu führt, dass der formale Kontext, in dem sich Unterricht erstreckt, aufgelöst wird. Dies belegt beispielsweise der hohe Zeitumfang, die veränderte Lehrer-Schüler-Interaktion und die Tendenz, die Schülerfirmen sukzessive vom Fachunterricht loszulösen und mit ihnen neue Sinnkonstruktionen zu verbinden. Mit der „Entgrenzung“ von Schülerfirmen gehen weitreichende fachdidaktische Implikationen einher, welche die Qualität der fachlichen Wissensvermittlung beeinflussen.
Der Beitrag beleuchtet sowohl die Intentionen als auch den Kontext der ökonomischen Bildung in Schülerfirmen und beantwortet die folgenden Fragen:

-       In welchem Wechselspiel aus intentionalen und inzidentellen Absichten manifestieren sich ökonomische Bildungsinhalte in Schülerfirmen?

-       Inwiefern erweitern Schülerfirmen den formalen Lernkontext des schulischen Unterrichts und welche fachdidaktischen Implikationen ergeben sich daraus?

Diese leitgebenden Fragestellungen werden auf Basis vorliegender Forschungs­ergebnisse beantwortet. Die zugrunde liegende qualitative Studie erhebt subjektive Konzepte zu Schülerfirmen aus der Sicht von Lehrkräften. Als Erhebungsmethode werden narrative Interviews (N=11) genutzt, die mithilfe der dokumentarischen Methode ausgewertet werden, um die handlungsleitenden Orientierungen der Lehrkräfte, die ihre Unterrichtspraxis prägen, zu rekonstruieren. Aus den Ergebnissen werden fachdidaktische Implikationen abgeleitet, die sowohl die theoretische Methodendiskussion bereichern als auch weitere Forschungsdesiderate aufzeigen.