Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2017

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Ökonomische Bildung in Museen – Fachdidaktische Entwicklungsforschung
Dr. Claudia Wiepcke

Gebäude: Helsinki
Raum: 165
Datum: 03.03.2017 09:45 – 10:20
Zuletzt geändert: 13.11.2016

Abstract


Obwohl die ökonomische Bildung als Teil der Allgemeinbildung legitimiert und ihre Notwendigkeit ein breiter gesellschaftlicher, politischer und wissenschaftlicher Konsens ist (Loerwald 2014, 128), hat sie in vielen Bundesländern durch die Verankerung in Fächerverbünden nur randständigen Charakter. Die aktuelle Jugendstudie des Bundesverbandes Deutscher Banken (2015) zeigt jedoch, dass das Interesse von Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren seit mehreren Jahren zunimmt. Sowohl Schüler/-innen als auch Eltern wünschen sich mehr ökonomische Bildung an Schulen.

Daneben steigt in den letzten Jahren das Bewusstsein für den Wert der kulturellen Bildung (UNESCO 2006), wodurch der Bildungsauftrag von Museen immer stärker in den Fokus rückt (Deutscher Museumsbund et al. 2010). Obwohl sich ca. 10% der Bevölkerung für Kultur interessieren, sind lediglich 3-4% aktiv, die Angebote nutzen (Mandel 2008, 84 ff.). Besonders bei Jugendlichen zwischen 14 und 25 wird ein starker Rückgang von Museumsbesuchen moniert. Sie bilden die am wenigsten repräsentierte Gruppe im Museum, fühlen sich von den Ausstellungen nicht angesprochen bzw. überfordert (vgl. Czech 2014, 53).

Das Projekt MuWi (Lernort Museum: Wirtschaft trifft Kunst) ist an der Schnittstelle der ökonomischen Bildung sowie kulturellen Bildung durch Museen angesiedelt und geht der Frage nach „wie sich Museen als außerschulischer Kontext für die ökonomische Bildung erschließen lassen“.

Mit Hilfe der Forschungsmethode des Design Based Research (ausführlich siehe (Euler/ Sloan 2015) werden zunächst didaktische Aspekte (Problemfelder) der ökonomisch-kulturellen Bildung eruiert, dann das fachdidaktische Design der Intervention entworfen (siehe Abbildung 1), um abschließend das entwickelte Unterrichtsmaterial in iterativen Zyklen in der Praxis anzuwenden, einer formativen und summativen Evaluation zu unterziehen sowie abschließend Gestaltungsprinzipien für die ökonomisch-kulturelle Bildung in Museen zu formulieren.

Abbildung 1: Innovatives Design der geplanten Intervention (eigene Darstellung)

 

Ziel des Projektes ist es, Museen vermehrt als außerschulischen Lernort in das Unterrichtsgeschehen mit einzubeziehen. Die Kombination von ökonomischer mit kultureller Bildung durch Museen stellt in der Fachdidaktik eine Novität dar. Durch die Kombination von fachlicher, instrumentaler und anwendungsorientier Bildung mit überfachlicher und emotionaler Bildung wird nicht nur fachliches Lernen, sondern auch ein bildungswirksames Verständnis von regionalen kulturellen Zusammenhängen gefördert.

 

Literatur:

Bundesverband Deutscher Banken 2015: Jugendstudie 2015 „Wirtschaftsverständnis, Finanzkultur und Digitalisierung“. Online: https://bankenverband.de/newsroom/reden_und_interviews/jugendstudie-2015-wirtschaftsverstandnis-finanzkultur-und-digitalisierung/, Stand: 17.07.2016.

Czech, Alfred 2014: Der Bildungsauftrag der Museen und die Museumspädagogik. In: Czech, Alfred/ Kirmeier, Josef/ Sgoff, Brigitte (Hg.): Museumspädagogik – Ein Handbuch. Wochenschau-Verlag, S. 49-59.

Deutscher Museumsbund et al. 2010: Museen und Lebenslanges Lernen. Ein Europäisches Handbuch. Berlin.

Euler, Dieter/ Sloane, Peter F.E. (Hg.): Design-Based Research. Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Beiheft 27, Franz Steiner Verlag.

Loerwald, Dirk 2014: Der Modellversuch „Wirtschaft an Realschulen“ in NRW – Zentrale Ergebnisse einer Erhebung und Projekterfahrungen. In: Müller, Christian et al. (Hg.): Bildung zur sozialen Marktwirtschaft. LUCIUS Verlag, S. 127-143.

Mandel, Birgit (Hg.) 2008: Audience Development, Kulturmanagement und Kulturelle Bildung. Konzeptionen und Handlungsfelder in der Kulturvermittlung. München.

UNESCO 2006 (UNESCO-Weltkonferenz für kulturelle Bildung): Leitfaden für kulturelle Bildung. Lissabon.