Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2017

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Integration des Lernens in informellen und formellen Kontexten am Beispiel ökonomischer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
David Löw Beer

Gebäude: Helsinki
Raum: 165
Datum: 03.03.2017 11:25 – 12:00
Zuletzt geändert: 13.11.2016

Abstract


Vorteile für das Lernen in informellen Kontexten werden in einer Reduktion oder gar Vermeidung des Transferproblems gesehen, da anwendbares Wissen anhand von Erfahrungen und somit effektive Problemlösungsstrategien erworben werden können (vgl. Svensson/Ellström 2009). Daneben wird von einer meist hohen, intrinsischen Motivation der Lernenden beim Wissenserwerb in informellen Umgebungen ausgegangen. Zu den zentralen Nachteilen des Lernens in informellen Kontexten zählt, dass häufig lediglich eine Anknüpfung an bestehenden Konzepten erfolgt und Lernende somit nicht durch eine didaktische Intervention herausgefordert werden, ihre Selbst- und Weltverständnisse zu erweitern oder zu verändern (vgl. Carstensen 2014). Außerdem wird das Fehlen einer Theoretisierung bemängelt, die ein langfristiges Lernen sowie eine Übertragung auf andere Kontexte ermöglichen könnte (vgl. Rohs 2014).

Im Fokus dieses Beitrags steht die Frage, wie in informellen Kontexten gewonnenes Wissen im formellen Wirtschaftsunterricht zum Themenfeld Nachhaltigkeit aufgegriffen werden kann und wie formelles Wissen so erlernt werden kann, dass es auch in informellen Kontexten genutzt wird. Dafür wird beschrieben, von welchen Erfahrungen und Vorwissen Studierende der ökonomischen Bildung in Gruppendiskussionen zur Gestaltung von Nachhaltigkeitsproblemen ausgehen und wie dies im Verhältnis zu dem steht, was aus Sicht der Fachwissenschaften, also der Umweltökonomie und Ökologischen Ökonomie lernenswert ist. Durch die weitgehend selbstläufigen Gruppendiskussionen wurde ein Kontext geschaffen, der einem Informellen nahekommt. Dabei verweisen die Befragten sowohl auf Wissen, dass sie in informellen als auch formalisierten Umgebungen erworben haben. Anhand von Gemeinsamkeiten wird verdeutlicht, über welche Kenntnisse Lehramtsstudierende bereits verfügen, so dass sie nicht oder nur am Rande in formellen Bildungsprozessen Berücksichtigung finden müssen. Es werden aber auch Beispiele dafür gegeben, welche Lernmöglichkeiten ungenutzt bleiben, wenn in einem Lernprozess keine Intervention erfolgt, mit anderen Worten, welche Grenzen Lernen in informellen Zusammenhängen hat. Dabei wird insbesondere auf Strategien zur Konfliktvermeidung in den Gruppendiskussionen bei einer Abwägung zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Interessen verwiesen. Demgegenüber hält die Verhaltens- und Umweltökonomie Antworten auf die Widersprüche bereit. Nach diesen suchen die Befragten aber nicht von selbst.

Schließlich werden Überlegungen dazu angestellt, wie ein Wirtschaftsunterricht aussehen kann, der eine Wissen aus informellem und formellem Kontexten integriert. Im Mittelpunkt stehen dabei eine Aufmerksamkeitssteuerung (vgl. Murmann 2008), eine Reflexion praktisch erworbenen Wissens (vgl. Overwien 2003) sowie Überlegungen, wie Wirtschaftsunterreicht dazu beitragen kann, dass das theoretisch erworbenes Wissen auch zur Lösung praktischer Probleme angewendet wird.