Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2017

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Konzeptionelle Gestaltung der Berufs- und Studienorientierung in gymnasialen Schulformen – eine qualitative Studie zur unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Realisierung
Rebecca Lembke, Tina Fletemeyer

Gebäude: Helsinki
Raum: 164
Datum: 02.03.2017 10:50 – 11:25
Zuletzt geändert: 13.11.2016

Abstract


Zunehmend werden allgemeinbildende Schulen in allen Bundesländern mit der Aufgabe betraut, Konzepte zur schulischen Berufs- und Studienorientierung zu erarbeiten und zu realisieren. Hingegen in Schulformen der Sekundarstufe I die Berufsorientierung auf langjährige Erfahrungen und Tradition baut, ist die Einführung in das Gymnasium noch neu (vgl. Schröder 2015, 36; Beinke 2015, 284). Unter Bezugnahme einer Studie von Müller 2002, beschreibt Beinke die Implementation von berufs- und studienorientierenden Maßnahmen an Gymnasien durch ein „Schattendasein“ (vgl. Beinke 2015, 284). Obgleich vereinzelt Maßnahmen durchgeführt würden, finden sie sich im „Randbereich des Schullebens“ wieder (vgl. ebd.). Aus diesem Grund wurde in einer Studie an Gymnasien und Schulen mit gymnasialer Oberstufe untersucht, welche Inhalte und organisatorische Strukturen in den schulischen Konzepten enthalten sind. Interessant erschien, inwiefern berufsorientierende Themen im Unterricht und außerunterrichtlich realisiert werden und im Bezug zueinander stehen. Auf der Annahme beruhend, dass die Berufs- und Studienorientierung von Jugendlichen sowohl Realerfahrungen und zugleich die Möglichkeit zur Reflexion der Erfahrungen mit der eigenen Persönlichkeit erfordert (vgl. Müller 2002, 180), erhalten außerunterrichtliche Berufserfahrungen und auch eine Unterrichtsgestaltung zur inhaltlichen Vorbereitung des Praxiskontaktes als auch zur reflektierenden Nachbereitung eine hohe Bedeutung. Denn nur wenn Schüler einen fachlichen Kontext haben, in welchem der Praxiskontakt eingebettet ist, kann für die Reflexion ein „Orientierungs- und Interpretationsrahmen“ entstehen (vgl. Kaiser/Kaminski 2012, 242). Es ist davon auszugehen, dass sich die konzeptionelle Gestaltung der Berufs- und Studienorientierung an den Rahmenbedingungen der Schulform orientiert, die als Mindeststandards interpretiert werden können, weshalb auch die Rahmenbedingungen der Schulen als einen Einfluss auf die konzeptionelle Gestaltung betrachtet werden müssen. Die Studie wurde in Form eines leitfadengestützten Gruppeninterviews durchgeführt, an dem bis zu fünf Lehrpersonen sowie die Schulleitung teilnahmen, wodurch Erinnerungseffekte genutzt werden konnten. Ziel der Studie ist die Erfassung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der konzeptionellen Gestaltung der schulischen Berufs- und Studienorientierung, um seitens der Schulen Bedarfe zur systematischen Unterstützung der Jugendlichen zu ermitteln.

 

Schröder, R. (2015): Reformen zur Berufsorientierung auf Bundes- und Landesebene im Zeitraum 2004-2015. Herausgegeben von der Bertelsmann Stiftung.

Kaiser, F.-J./Kaminski, H. (2012): Methodik des Ökonomieunterrichts, Grundlagen eines handlungsorientierten Lernkonzepts mit Beispielen, 4. überarbeitete Auflage, Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Beinke, L. (2015): Praktika und Patenschaften: Frühe Hinweise und Ausführungen zur Berufsorientierung an Gymnasien. In: Arndt, H. (Hg.): Kognitive Aktivierung in der ökonomischen Bildung. Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag, 283-295.

Müller, W. (2002): Abitur – und dann? Berufsorientierung in der Gymnasialen Oberstufe. In: Schudy, J. (Hrsg.): Berufsorientierung in der Schule. Grundlagen und Praxisbeispiele. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 175-190.