Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2017

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Domänenanalyse „Entrepreneurship“
Christian Andreas Kaulvers, Anh Dinh, Steffen Spitzner

Gebäude: Helsinki
Raum: 164
Datum: 02.03.2017 13:15 – 13:55
Zuletzt geändert: 13.11.2016

Abstract


Problem

Entrepreneurship, in all seinen Facetten (Entrepreneurship Education, Culture of Entrepreneurship, etc.), gewinnt, ausgehend von der wirtschaftspolitischen Lage vieler Staaten der Europäischen Union, in der politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskussion zunehmend an Bedeutung (vgl. Uebelacker, 2005, S. 1). Gründe hierfür sieht Uebelacker vor allem im Niedergang der New Economy, dem Börsencrash aus dem Jahr 2000 und in der anhaltend hohen Arbeitslosenquote in verschiedenen europäischen Ländern (vgl. Uebelacker, 2005, S. 1). Auch Metzger bescheinigt der deutschen Wirtschaft einen Rückgang der Gründerquoten seit 2000. Zwar steigt die Quote seit 2012 wieder leicht, doch erreicht diese nicht annähernd den Stand von 2001 (vgl. KfW Bankengruppe & Metzger, 2015, S. 2). Von der Entwicklung einer verstärkten Kultur der Selbständigkeit geht die Hoffnung aus, „die von der wirtschaftlichen Situation beeinflusste […] Lage auf dem Arbeitsmarkt durch intensive Bemühungen um innovative, wettbewerbsfähige und schnell wachsende Unternehmensgründungen nachhaltig verbessern zu können“ (vgl. Uebelacker, 2005, S. 1). Berechtigt erscheint diese Hoffnung vor allem vor dem Hintergrund, dass verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen Anhaltspunkte für eine positive Korrelation zwischen Wirtschaftswachstum und Entrepreneurship aufzeigen (vgl. Schmette, 2007, S. 58) und eine Volkswirtschaft vom Gründungsgeschehen in zweierlei Hinsicht profitiert. Zum einen hält eine hohe Gründerquote den Effizienz- und Innovationsdruck auf etablierte Unternehmen hoch, zum anderen schaffen Neugründungen Arbeitsplätze (vgl. KfW Bankengruppe & Metzger, 2015, S. 2). In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von Initiativen entstanden, die zum Ziel haben, Innovation und Unternehmertum zu fördern (vgl. Fueglistaller, Müller, Müller & Volery, 2016, S. 3).

Nach einer Studie des Global Entrepreneurship Monitor brechen rund ein Drittel der Gründungsplaner den Gründungsprozess ab (vgl. KfW Bankengruppe & Metzger, 2015, S. 2). Dies sei vor allem auf Gründungshemmnisse im Prozess der Gründung zurückzuführen (vgl. KfW Bankengruppe & Metzger, 2015, S. 2). Hierzu zählen laut einer Studie der KfW Bankengruppe unter anderem das finanzielle Risiko, das soziale Risiko, unzureichende kaufmännische Kenntnisse, der schwierige Kundenkontakt sowie unzureichende fachliche Kenntnisse (vgl. KfW Bankengruppe & Ullrich, 2013, S. 6 f.). Viele der Gründungshemmnisse liegen außerhalb der Gründerperson und weisen somit keinen expliziten Zusammenhang zur Gründerperson auf. Sie stellen vielmehr Faktoren dar, welche die Schwierigkeit einer Gründung beschreiben (vgl. Sternberg & Bergmann, 2003, S. 23). Zudem richten sich die meisten Ansätze zur Förderung von Innovation, Unternehmertum und Existenzgründung in Deutschland an einen sehr breiten Adressatenkreis (vgl. Halbfas, 2006, S. 38) und beziehen sich mehrheitlich auf die gründungsrelevanten Rahmenbedingungen (vgl. Halbfas, 2006, S. 36) und weniger auf den Ausbau spezifischer Kompetenzen der Domäne Entrepreneurship. Es liegt an der Gründerperson die Gründungshemmnisse und Rahmenbedingungen als Schwierigkeiten bzw. Probleme zu identifizieren und mit diesen umzugehen. An dieser Stelle zeigt sich, ob die Gründerperson über hinlängliche Entrepreneurship-Kompetenzen verfügt, um seine Fähigkeiten und Fertigkeiten in den ihr neuen Problemfeldern einzusetzen und die identifizierten Probleme zu lösen. Ziel muss es daher sein, ein adressatenspezifisches, theoretisch fundiertes und valides Messinstrument zur Erfassung von Entrepreneurship-Kompetenz zu konstruieren, um darauf aufbauend gezielte Fördermaßnahmen zur Kompetenzentwicklung zu entwickeln.

Vorgehen; Problemlöseansatz

Um ein Messinstrument zur validen Erfassung von Entrepreneurship-Kompetenz zu konstruieren, bedarf es in einem ersten Schritt einer klaren Definition des Begriffes Entrepreneurship unter Einbezug der Zielgruppe. Die Zielgruppe des Messinstrumentariums soll im Bereich der Gründungsausbildung erfolgen, da hier die Vielzahl der staatlichen und privaten Gründungsinitiativen ansetzen.[1]

„„Entrepreneurship“ […]  zeigt sich als ein vielschichtiges, komplexes soziales und ökonomisches Phänomen, das in vielfältiger Weise und Zusammenhängen diskutiert wird.“ (Schmette, 2007, S. 57). So herrscht in der wissenschaftlichen Diskussion kein einheitliches Verständnis von Entrepreneurship (vgl. Uebelacker, 2005, S. 21). Dies liegt vor allem an der „interdisziplinären wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Forschungsgegenstand Entrepreneurship“ (Bijedic, 2013, S. 8). Folglich muss es als notwendig erachtet werden, den Begriff im ökonomischen Kontext der Unternehmensgründung zu präzisieren und eine für diesen Kontext einheitliche Definition darzulegen.

Ziel dieses Beitrags ist es den empirischen Prozess der Definition von Entrepreneurship aufzuzeigen. Auf Basis einer breiten Domänenanalyse soll das Begriffsverständnis evidenzbasiert geschärft werden. Hierzu werden verschiedene Erhebungsmethoden trianguliert (umfassende Literaturrecherche, Dokumentenanalyse von Curricula, Experteninterviews mit Wissenschaftlern und Gründern) um eine domänenspezifische, zielgerichtete Begriffsbestimmung vorzunehmen. Erst im Anschluss an die Domänenanalyse ist eine genaue Ausdifferenzierung und Einordnung des Kompetenzbegriffes möglich, sodass dies nicht Gegenstand des Beitrages ist.

Der Beitrag wird den Aufbau der Erhebung und erste Ergebnisse der Studie präsentieren und somit eine Diskussionsgrundlage für weitere Ausgestaltungsprozesse des Begriffes Entrepreneurship darbieten.

[1] Die Mehrheit der Gründerinitiativen stellt Angebote zur Erstberatung zur Existenzgründung, der Vorbereitung von Gründungen und zur Erarbeitung von Business-Plänen bereit und zielen vornehmlich auf die Ausgestaltung von (Gründer-)Netzwerken ab. Folglich werden hier nur Rahmenbedingungen betrachtet und weniger Entrepreneurship-Kompetenzen in den Fokus gerückt.