Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2017

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Berufswahlentscheidungen von SchülerInnen der Sekundarstufe I im Kontext schulischer Berufsorientierung
Dr. Athanassios Pitsoulis

Gebäude: Helsinki
Raum: 164
Datum: 02.03.2017 11:35 – 12:10
Zuletzt geändert: 13.11.2016

Abstract


Die Berufswahl zählt zu den wichtigsten Entscheidungen im Leben eines Menschen. Am Ende der Schulzeit werden Jugendliche vor die Aufgabe gestellt, sich für einen Ausbildungsberuf oder eine weiterführende Schule zu entscheiden. Die Fähigkeit, eine Berufswahlentscheidung zu treffen, wird unter anderem durch die schulische Berufsorientierung gefördert. Diese ist angesichts der „Disparitäten auf dem Ausbildungsmarkt“ (IÖB & Oldenburgische IHK, 2012, Kap. 0), wie beispielsweise wachsender Passungsprobleme zwischen den Fähigkeiten von SchülerInnen und den Arbeitsanforderungen, ein aktuelles Thema (Bertelsmann Stiftung, Bundesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft & MTO Psychologische Forschung und Beratung GmbH, 2012, S. 11; Mattes, Ulrich, Krekel & Walden, 2014, S. 1). Als Konsequenz aus diesen Unstimmigkeiten resultiert, dass derzeit circa ein Viertel aller Ausbildungsverträge vorzeitig wieder gelöst werden (Bertelsmann Stiftung et al., 2012, S. 7; Schröder, 2013, S. 139). Laut Beschluss der Kultusministerkonferenz (2012) müssen allgemeinbildende Schulen daher Berufsorientierungsmaßnahmen zur Unterstützung des individuellen Berufswahlprozesses von SchülerInnen anbieten (S. 1). Diesem Beschluss folgend wurde in den vergangenen Jahren die schulische Berufsorientierung an Sekundarschulen in Niedersachsen und in vielen weiteren Bundesländern massiv ausgebaut (IÖB & Oldenburgische IHK, 2012, Kap. 0; Schröder, 2013, S. 139). Doch trotz zahlreicher Angebote an schulischen Berufsorientierungsmaßnahmen haben SchülerInnen Schwierigkeiten bei der Berufswahlentscheidung, da die „Komplexität der Entscheidungssituationen“ (Knauf & Oechsle, 2007, S. 143) zugenommen hat.

Bezüglich der generellen Wirksamkeit und Nützlichkeit von Berufsorientierungsmaßnahmen liegen innerhalb der Literatur noch zu wenige Erkenntnisse vor (ebd., S. 144). Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, inwiefern die schulische Berufsorientierung den SchülerInnen der Sekundarstufe I von Nutzen ist. Unterstützen schulische Berufsorientierungsmaßnahmen SchülerInnen bei ihrer Berufswahlentscheidung oder tragen sie durch die Fülle an Angeboten zu einer Informationsflut und folglich einem erschwerten Berufswahlentscheidungsprozess bei? Ziel unseres Beitrags ist es, die Nützlichkeit von Berufsorientierungsmaßnahmen für SchülerInnen zu untersuchen, um didaktische Schlussfolgerungen dahingehend abzuleiten, wie der schulische Berufsorientierungsprozess für SchülerInnen zukünftig optimiert werden könnte. Ausgehend von der Thematisierung theoretische Aspekte der Berufsorientierung und der Kategorisierung diverser Berufswahltheorien präsentieren wir Ergebnisse einer qualitativen empirischen Studie, in der die Nützlichkeit von schulischen Berufsorientierungsmaßnahmen für die Berufswahlentscheidung von SchülerInnen in der Sekundarstufe I untersucht wurde. Angesichts der gewonnenen Erkenntnisse werden zudem didaktische Schlussfolgerungen gezogen.