Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Inklusive Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen – Qualitative Studie zu den Gelingensbedingungen einer inklusiven Berufsorientierung
Claudia Wiepcke, Lisa Laur

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: KG 4 R 206
Datum: 27.02.2018 11:15 – 12:45
Zuletzt geändert: 09.01.2018

Abstract


Lisa Laur und Claudia Wiepcke

Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, welche durch die UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2006 ratifiziert und in den Vordergrund gerückt wurde. Seit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK 2011) „Inklusive Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in Schulen“, sind auch Schulen mit Nachdruck aufgefordert Inklusion in allen schulischen Bereichen umzusetzen. Ein zentraler Bereich ist hierbei die Berufsorientierung.

Inklusive Berufsorientierung von Jugendlichen mit Beeinträchtigung ist von zentraler Bedeutung, um allen einen Übergang von der Schule in den Beruf zu ermöglichen. Die Teilnahme am Erwerbsleben gilt als einer der wichtigsten (ökonomisch geprägten) Teilhabebereiche, da er der materiellen Existenzsicherung dient und Menschen in Beziehung zur Gesellschaft bringt (vgl. Doose 2016, 448; Agentur für Arbeit 2013, S.12).

Inklusion in der Schule wird bisher kontrovers betrachtet und gelingt nur bedingt. Eine aktuelle Befragung von Lehrpersonen (vgl. Forsa 2017) zeigt, dass 42 % der Lehrkräfte die Unterrichtung von Schüler*innen mit Behinderung in Förderschulen als sinnvoller erachten. Argumente der Lehrkräfte sind z.B., dass Regelschulen den erhöhten Förderbedarf der Inklusionsschüler*innen nicht leisten können und Lehrpersonen nicht ausreichend für Inklusion ausgebildet seien. Daneben zeigen Statistiken, dass Menschen mit Beeinträchtigung häufiger keinen beruflichen Abschluss haben als Menschen ohne Beeinträchtigung (BmAS 2017, S. 94), was die Forderung von Fördermaßnahmen in diesem Bereich bestärkt.

Eine inklusive schulische Berufsorientierung sollte allen Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung eine berufliche Orientierung sowie den Übergang in den Beruf ermöglichen. Hierzu ist es essenziell, die Probleme und Gelingensbedingungen der Schüler*innen mit Beeinträchtigung im Kontext der schulischen Berufsorientierung zu beachten, diese sind jedoch derzeit kaum erforscht (BmAS 2017, S. 120). Daher stellt sich die Frage, welche Barrieren und Gelingensbedingungen Schüler*innen mit Behinderung während der Berufsorientierung erleben und wie dementsprechend die inklusive Berufsorientierung in der Schule konzeptionell gestaltet werden kann? Hierzu werden Leitfrageninterviews mit Schüler*innen und Auszubildenden mit Beeinträchtigung geführt, um die Sichtweise der Betroffenen zu erforschen. Da die Metaebene der Regelschullehrkräfte, Sonderpädagogen und außerschulischen Expert*innen ebenfalls für ein schulisches Berufsorientierungskonzept wichtig ist, werden diese in die Untersuchung mit einbezogen. Die Interviews werden mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) ausgewertet. Ziel ist es, die Probleme und Gelingensbedingungen zu identifizieren und Handlungsempfehlungen für ein praxisorientiertes Konzept einer inklusiven Berufsorientierung abzuleiten.

 

Literatur:

Agentur für Arbeit (2013): Der Arbeitsmarkt in Deutschland unter: https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Personengruppen/generische-Publikationen/Juengere-Menschen-ohne-Berufsabschluss-2012.pdf (13.09.2017).

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BmAS) (2016): Zweiter Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigung. Teilhabe – Beeinträchtigung – Behinderung unter http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a125-16-teilhabebericht.pdf?__blob=publicationFile&v=7 (24.09.2017).

Doose, S. (2016): Arbeit. In: Hedderich, I. et al. (Hg.): Handbuch Inklusion und Sonderpädagogik. Bad Heilbrunn, S. 448-453.

Forsa (2017): Inklusion an Schulen aus Sicht der Lehrkräfte in Deutschland – Meinungen, Einstellungen und Erfahrungen – Ergebnisse einer repräsentativen Lehrerbefragung unter: http://www.vbe.de/presse/meinungsumfragen.html (03.10.2017).

Kultusministerkonverenz (KMK) (2011): Inklusive Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Schulen unter: http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2011/2011_10_20-Inklusive-Bildung.pdf (10.09.2017).

Mayring, Philipp (2015): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim; Basel. Beltz. 12. überarb. Aufl.