Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

##paper.fontSize##: 
Ökonomische Bildung und die Soziologie ökonomischen Denkens
Alexander Lenger

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: R3
Datum: 27.02.2018 09:00 – 11:00
Zuletzt geändert: 09.01.2018

Abstract


Das Ziel ökonomischer Bildung ist es, Lernende zur Selbstbestimmung und zu gesellschaftlicher Verantwortung in wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenhängen zu befähigen. Trotz der Einigkeit bezüglich der genannten Zielsetzung gibt es aber innerhalb der Fachdidaktik derzeit eine relevante Auseinandersetzung um die Frage, wie in der allgemeinbildenden Schule wirtschaftliche Themen verhandelt werden sollen. Einige wenige Bundesländer haben Wirtschaft als eigenständiges Schulfach eingeführt. Das Thema wird kontrovers diskutiert. In dem Vortrag möchte ich aber nicht die konkurrierenden Positionen rekonstruieren, sonder auf einer anderen Ebene ansetzen. Ich möchte das Argument entfalten, dass die ökonomische Bildung ihren Blick vermehrt auf die Ausbildung und Charakteristika von (Wirtschafts-)Lehrer*innen richten muss, um einen nachhaltigen Erfolg in der Befähigung von Schüler*innen realisieren zu können. Für eine solche Perspektiverweiterung kann es hilfreich sein, auf die Befunde aus dem Bereich einer Soziologie ökonomischen Denkens zurückzugreifen.

In den vergangen Jahren hat sich innerhalb der Soziologie ein verstärktes Interesse an der sozialen Konstitution und den gesellschaftlichen Folgen ökonomischen Wissens entwickelt. Anknüpfend an verschiedene wirtschafts- und wissenschaftssoziologische Befunde liegen inzwischen erste wissens-, diskurs- und feldtheoretische Analysen vor, die sich mit der inneren Verfassung der Wirtschaftswissenschaften auseinandersetzen. Inzwischen hat sich eine "Soziologie ökonomischen Denkens" (Sociology of Economics) etabliert. Ziel einer Soziologie ökonomischen Denkens ist es, die institutionellen Wirkmechanismen, Praktiken und Diskurse sichtbar zu machen, die den Wirtschaftswissenschaften zugrunde liegen. Hierauf Bezug nehmend sind für die ökonomische Bildung insbesondere drei Kernfelder einer "Soziologie ökonomischen Denkens" relevant: (1) die soziale Struktur, (2) die Modellierungskultur sowie (3) die Performativität der Wirtschaftswissenschaften.

Ziel des Vortrages ist es zu zeigen, welche Befunde der Soziologie ökonomischen Denkens geeignet sind, zur Weiterentwicklung der ökonomischen Bildung beizutragen. Hierzu soll in einem ersten Schritt kurz in die Soziologie ökonomischen Denkens eingeführt werden. In einem zweiten Schritt soll die Relevanz einer Soziologie ökonomischen Denkens für die ökonomische Bildung anhand eigener empirischer Befunde konkretisiert werden. In einem dritten Schritt schließlich soll der Vorteil einer solchen Perspektiverweiterung für die ökonomische Bildung diskutiert werden.