Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Ist das neue Schulfach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ in Baden-Württemberg allgemeinbildend?
Klaas Macha, Michael Weyland

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: R3
Datum: 27.02.2018 09:00 – 11:00
Zuletzt geändert: 09.01.2018

Abstract


Eine der konstitutiven Debatten innerhalb der ökonomischen Bildung ist diejenige um das Für und Wider eines eigenständigen Schulfachs „Wirtschaft“. An den meisten allgemeinbildenden Schulen in Deutschland gibt es nach wie vor kein solches Fach. Zwar wird die Diskussion seit vielen Jahren geführt, doch eine Einigung ist nicht in Sicht. Weil die Fachfrage also nach wie vor nicht entschieden ist, wird ökonomische Bildung an deutschen Schulen ganz unterschiedlich gelehrt. Vergleicht man etwa die Bildungspläne der beiden großen Bundesländer NRW und Baden-Württemberg für den Bereich der ökonomischen Bildung, so werden recht schnell erhebliche inhaltliche Unterschiede deutlich.

  • In NRW gibt es derzeit noch ein Fach „Sozialwissenschaften“, das zu gleichen Teilen soziologische, politikwissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Anteile enthalten soll und dezidiert auf „politische Bildung“ zielt (wobei NRW nach dem aktuellen Regierungswechsel ein Schulfach Wirtschaft einführen möchte).
  • In Baden-Württemberg gibt es seit kurzem das Schulfach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ – verbunden mit dem Ziel, allen Schülerinnen und Schülern eine „ökonomische Allgemeinbildung“ zu vermitteln.

Was also, so lautet die nach wie vor praktisch unentschiedene Kernfrage, sollen Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen im Ökonomieunterricht lernen? Oder, anders gewendet: Wann ist Ökonomieunterricht allgemeinbildend?

Für unseren Versuch einer Beantwortung dieser Fragestellung möchten wir im ersten Schritt auf die geisteswissenschaftlich inspirierte Diskussion um den Allgemeinbildungs-Begriff zurückgreifen, um die Leitfrage, die sich ja explizit auf den Bereich des allgemeinbildenden Schulwesens fokussiert, fachlich fundiert zu beantworten. Hierzu möchten wir an die weitreichende und vielfach rezipierte Grundlegung des allgemeinen Didaktikers und Schulpädagogen Hans Werner Heymann anschließen. Heymann hat die Strömungen des deutschen Bildungsdenkens gebündelt und kommt zu den folgenden sieben Grundpfeilern, die Allgemeinbildung begründen:

  • Lebensvorbereitung;
  • Stiftung kultureller Kohärenz;
  • Weltorientierung;
  • Anleitung zum kritischen Vernunftgebrauch;
  • Entfaltung von Verantwortungsbereitschaft;
  • Einübung in Verständigung und Kooperation;
  • Stärkung des Schüler-Ichs.

Im zweiten Schritt möchten wir die theoretischen Überlegungen von Heymann (1996) auf den Bildungsplan 2016 für das neue baden-württembergische Schulfach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ (WBS) beziehen. Dieses Schulfach hat den Anspruch, „ökonomische Allgemeinbildung“ zu vermitteln. Inwiefern dies gelingen kann, soll auf Basis des Bildungsplans geprüft und mithilfe konkreter Fachmethoden und Umsetzungsbeispiele veranschaulicht werden.