Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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... er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt
Bernd Remmele

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: R3
Datum: 27.02.2018 16:30 – 18:00
Zuletzt geändert: 09.01.2018

Abstract


Nimmt man Kants Unterscheidung in die Reiche der Freiheit und der kausal-strukturierten Natur, dann besteht ein prinzipielles Problem objektivierend über Freiheit zu sprechen. Gleichwohl nutzt das moderne ökonomische Denken den legitimatorischen Wohlklang von Freiheit und setzt einen Akt der Freiheit an den Anfang der Theorie: es wird Knappheit als der Welt wesentlich vorausgesetzt – aus Knappheit folgt die Notwendigkeit zwischen Alternativen zu entscheiden (wer klug bzw. ökonomisch gebildet ist, nimmt dabei auch die Opportunitätskosten mit in den Blick) – die Bewertung der Alternativen hängt dabei von den beliebigen – frei gewählten oder ‚natürlich‘ zustande gekommenen – individuellen Präferenzen ab. Neben dem Paradox der Entscheidung, dass die Alternative eine (mögliche) ist und zugleich keine (da ausgeschlossene) ist, sind auch Knappheit und Präferenzen (zumindest wenn man sich vom insuffizienten da solipsistischen Robinson-Paradigma löst ) nicht unabhängig genug, als dass Freiheit ungeschoren Eingang in die Theorie fände.

In Bildungskontexten ist aber ein Wechsel in die subjektive Akteursperspektive bzw. ins Reich der Freiheit deutlich leichter. Mündigkeit bzw. Autonomie als Bildungsziel verweist dabei direkt auf die Förderung individueller Freiheit. U. a. angesichts der vielfältigen Nutzung von Spielen in der ökonomischen Bildung erscheint der Spielbegriff ein Weg zur weiteren Analyse des Zusammenhangs in diesem engeren Kontext.

Dabei zeigt sich, dass zwei polare Freiheitsbegriffe unterschieden werden können, die sich auch in der spezifischen Unterschiedlichkeit von Spielformen zeigt. Es geht dabei um die Struktur von Interaktions- bzw. Handlungsräumen. Frei kann man sich zum einen erfahren, wenn man mit einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit damit rechnen kann, dass das eigene Handeln ein bestimmtes Resultat zeitigt. Dazu müssen die Regeln einigermaßen stabil und erkennbar sein. Chaos erlaubt nur Fatalismus. Anders ist es, wenn man die Formen bzw. Regeln selbst machen kann. Im Englischen wird diese Differenz z. B. durch die beiden Begriffe ‚game‘ (eher Regelspiel) und ‚play‘ (eher Kreativspiel) markiert. Es geht hierbei um die Wahrnehmung von Kompetenz sowie von Selbstwirksamkeit. In der ökonomischen Bildung finden sich viele Beispiele für beide Spielformen, z. B als Unternehmenssimulationen oder Marktspiele einerseits oder als Innovationswettbewerbe und Rollenspiele.

Im Anschluss an die Frage, warum gerade in der ökonomischen Bildung Spiele (i.w.S.) eine adäquate Methode darzustellen scheint, bleibt dann noch die Frage, wie sich die objektivierende und subjektive Sichtweise vor dem Hintergrund der Transferproblematik vereinbaren lassen.