Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Sichtstrukturen ökonomischer Bildung. Ergebnisse zur methodischen Gestaltung des Wirtschaftsunterrichts an allgemeinbildenden Schulen
Robert W. Jahn, Dana Bergmann, Mathias Götzl

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: KG 4 R 218
Datum: 27.02.2018 11:15 – 12:45
Zuletzt geändert: 09.01.2018

Abstract


Auf Grundlage der verbreiteten Angebot-Nutzungs-Modelle (vgl. bspw. Helmke 2012, S. 69 ff; Reusser/Pauli 2010, S. 17 f.), in denen Unterricht als Angebot an Lerngelegenheiten modelliert wird, welches maßgeblich durch Lehrkräfte erzeugt und durch angebotsbezogene Stützsysteme beeinflusst wird, ist davon auszugehen, dass die beobachtbare Sozial- und Interaktionsstruktur des Unterrichts im Wesentlichen auf didaktischen Entscheidungen der Lehrenden basiert. Die Inhalts- und Prozessqualität dieses Lehrangebots hat dabei sowohl eine qualitative als auch eine quantitative Dimension (vgl. Reusser/Pauli 2010, 18). Ein quantitatives Element stellt die echte Lernzeit dar (vgl. z. B. Helmke 2003; 2007; Lipowsky 2007, 27; Meyer 2013, 39-46; Hattie 2013, 218 ff.). Qualitative Elemente hingegen sieht Helmke (2010) bspw. in der Strukturiertheit und Klarheit, in der Schülerorientierung, in der Modifizierung von Methoden und Sozialformen sowie in der Festigung und Sicherung der Lernergebnisse.

Im Zuge der wirtschaftsdidaktischen Diskurse über Handlungs- und Situationsorientierung der letzten Jahrzehnte ist davon auszugehen, dass sich diese in der prozessualen Ausgestaltung des Angebots „Unterricht“ widerspiegeln. Dahingehend geben die Untersuchungen der prozessorientierten Unterrichtsforschung jedoch Anlass zu Skepsis. Es wird nach wie vor ein einseitig lehrerzentrierter Unterricht kritisiert. In den Beobachtungsstudien BESUB I bis III (vgl. Götzl et al. 2013; Jahn/Götzl 2014a; 2014b; 2014c, 2015) konnte dieses Bild für den kaufmännischen Unterricht an berufsbildenden Schulen weitgehend bestätigt werden. Für die ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen liegen derartige domänenspezifische Erkenntnisse bislang nicht vor.Der Beitrag greift dieses Desiderat auf und fokussiert (innerhalb einer weiteren Teil-Studie) die didaktische Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen an allgemeinbildenden Schulen im Unterrichtsfach Wirtschaft. Nachdem in einem ersten Schritt Sichtstrukturen des Unterrichtsangebots als didaktische Fragestellung diskutiert werden, erfolgt eine theoretische Rahmung sowie die Aufarbeitung des Forschungstandes. Nach der Darlegung des methodischen Vorgehens werden wesentliche Befunde zur Lernzeitnutzung, zum Sozialformeinsatz und zur Rhythmisierung des Unterrichtsgeschehens über Unterrichtsphasen thematisiert, welche über Beobachtungen von Wirtschaftsunterrichtsstunden (N=314) an allgemeinbildenden Schulen gewonnen wurden.