Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

##paper.fontSize##: 
Handelst du noch oder reflektierst du schon? Bildung, Freiheit und Reflexion in Schülerfirmen
Dr. Markus Riefling, Tobias Gerber, Ute Grewe, Prof. Dr. Taiga Brahm

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: R3
Datum: 27.02.2018 11:15 – 12:45
Zuletzt geändert: 09.01.2018

Abstract


Bildung ist in einem aufklärerischen Verständnis mit Freiheit unauflöslich verbunden und kann mit Humboldt als „allgemeinste, freieste und regeste Wechselwirkung von Ich und Welt“ (1793) verstanden werden. Eine reflexive Auseinandersetzung mit den eigenen Welt- und Selbst-Erfahrungen bildet nicht nur bei Humboldt die Voraussetzung für Bildung und Lernen. Reflexion wird in verschiedenen Ansätzen als Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung von Kompetenzen gesehen (z.B. beim auf Dewey rekurrierenden erfahrungsbasierten Lernen von Kolb, 1984). Im vorgeschlagenen Beitrag soll auf Basis des klassischen Bildungsbegriffs die Entrepreneurship Education und spezifisch die Arbeit in Schülerfirmen in den Blick genommen und Möglichkeiten der Reflexion erörtert werden.

Handlungsorientiert, interdisziplinär und projektorientiert: Schülerfirmen ermöglichen Schülerinnen und Schüler vielfältige Erfahrungen sowie praxisorientierte Einblicke in grundlegende Aspekte des Wirtschaftens (vgl. Arndt 2015, Kirchner/Loerwald 2014, König et al. 2013, Penning 2016). Doch damit ist das Potenzial von Schülerfirmen noch nicht ausgeschöpft. Um die eigenen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler auch auf gesamtwirtschaftliche Aspekte zu beziehen, sollten reflexive Dimensionen verstärkt werden. Dabei stellt sich die zentrale Frage: Wie können Schülerinnen und Schüler bei der Reflexion der in Schülerfirmen gemachten Erfahrungen angeregt, begleitet und unterstützt werden?

Reflektiertes Lernen nimmt nach Moon (2004) den Weg von der konkreten Erfahrung und der abstrakten Konzeptualisierung über die Beobachtung und gelangt so zu effektiven Lernergebnissen. Vor allem drei Perspektiven der reflexiven Dimensionierung von Schülerfirmen können hierbei in den Blick genommen werden: Schülerfirmen bieten hervorragende Möglichkeiten, um ausgehend von den eigenen „Unternehmens“-Erfahrungen Inhalte wie Berufsorientierung, ethisch-soziale Dimensionen und das generelle Zusammenspiel in einer Wirtschaftsordnung zu thematisieren. Diese drei reflexiven Perspektiven werden anhand von Unterrichts-Beispielen skizziert.

Der vorgeschlagene Beitrag gliedert sich entsprechend in drei Aspekte: Nach der Darlegung des Zusammenhangs von Bildung, Freiheit und Reflexion werden Schülerfirmen im Kontext der Entrepreneurship Education verortet. Anschließend werden Grundlagen eines reflexiven Lernens dargestellt und in konkreten Beispielen auf die Arbeit in Schülerfirmen bezogen.

Literaturverzeichnis

  • Humboldt, Wilhelm von (1793): Theorie der Bildung des Menschen. In: Flitner/Giel (Hrsg.) (1980): Wilhelm von Humboldt. Werke in fünf Bänden. Band I Schriften zur Anthropologie und Geschichte, Darmstadt
  • Kirchner, V., & Loerwald, D. (2014). Entrepreneurship Education in der ökonomischen Bildung: eine fachdidaktische Konzeption für den Wirtschaftsunterricht. Hamburg: Joachim-Herz-Stiftung-Verl.
  • Kolb, D. A. (1984) Experiential Learning, Englewood Cliffs, NJ.: Prentice Hall.
  • König, H., Hilbert, B., Mittelstädt, E., & Wiepcke, C. (Eds.). (2013). Die Schülerfirma: Didaktischer Leitfaden zur Existenzgründung; Schwalbach/Ts.: Wochenschau-Verl.
  • Moon, J. A. (2004). A Handbook of Reflective and Experiential Learning. Theory and Practice. Abingdon, Oxon: RoutledgeFalmer.