Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Zur Freiheit befähigen: Die Rolle von Bildung und Bildungspolitik in Hayeks liberaler Gesellschaftsordnung
Roland Fritz, Nils Golschmidt

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: KG 4 R 222
Datum: 28.02.2018 11:15 – 12:00
Zuletzt geändert: 20.02.2018

Abstract


Der österreichische Ökonom und Sozialphilosoph Friedrich A. Hayek ist als liberaler Denker und Verfechter einer freien Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung bekannt und wird auch in der Öffentlichkeit als Vordenker des Neoliberalismus kontrovers diskutiert. Wir wollen in unserem Beitrag darlegen, welche Rolle Bildung in Hayeks Liberalismus­­­­­ spielt und wie seine Argumente Denkanstöße auch für die Bildungspolitik und ökonomische Bildung heute sein können.

Ausgangspunkt von Hayeks bildungspolitischen Überlegungen ist die Einsicht, dass für das Verständnis von und die Beteiligung an demokratischen Prozessen ein Mindestmaß an Bildung innerhalb einer Bevölkerung notwendig ist. Bildung ist dabei nicht auf die Förderung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu beschränken, sondern – im Sinne einer umfassenden humanistischen Bildung – auch auf die Herausbildung gemeinsamer Wertmaßstäbe und Überzeugungen zu beziehen, die den sozialen Zusammenhalt stärken. Folglich ist es nicht primär die ökonomische Verwertbarkeit, die Bildung so wertvoll macht, sondern ihre positive integrative Funktion in einer freien Gesellschaft. Hingegen attestiert Hayek „freiheitsfeindlichen“ intellektuellen Denktraditionen („die Totalitären mitten unter uns“) einen bildungsbezogenen Effizienzfetischismus und ein ständiges Insistieren auf die ökonomische Verwertbarkeit aller Bildungsleistungen. Hinsichtlich der institutionellen Ausgestaltung des Bildungssystems setzt Hayek – ähnlich wie Milton Friedman – auf eine wettbewerbliche Ausgestaltung mittels Bildungsgutscheinen, um so auch in dieser Sphäre Prozesse spontaner Ordnung anzustoßen.

Zur ökonomischen Bildung äußert sich Hayek freilich nicht explizit. Jedoch lassen sich vor dem Hintergrund seiner bildungspolitischen Ideen für eine freie Gesellschaft auch für diesen Bereich Impulse ableiten. Die Aufrechterhaltung einer freien Gesellschaftsordnung steht und fällt für Hayek letzten Endes mit der öffentlichen Meinung über die Erwünschtheit eben dieser Ordnung. Freiheit ist in einer Gesellschaft, welche die Freiheit nicht schätzt, nicht möglich. Das Fundament hierfür ist eine ökonomisch unabhängige Bevölkerung. Für Hayek ist dabei der „man of independent means“, also das finanziell und beruflich selbstständige Individuum, eine Schlüsselfigur. Zur Stabilisierung einer liberalen Gesellschaftsordnung bedarf es eigenverantwortlicher Menschen und folglich bedarf es einer klugen, auf Befähigung angelegten ökonomischen Bildung, die diese notwendige gesellschaftliche Dimension wirtschaftlicher Unabhängigkeit vermittelt, ohne sie unreflektiert indoktrinieren zu wollen. (Ökonomische) Bildung kommt nach Hayek somit in modernen liberalen Gesellschaften eine freiheitsschaffende und freiheitserhaltende Funktion zu. Zugleich ist individuelle und gesellschaftliche Freiheit als Zielgröße der kritische Maßstab für die Ausgestaltung des Bildungssystems. Diese Sichtweise wieder stärker in den Diskurs um eine umfassende, dem Menschen dienliche ökonomische Bildung einzubringen, könnte der Zugewinn in der Auseinandersetzung mit Hayek’schen Werk sein.