Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Chancen und Hürden im differenzierten Wirtschaftsunterricht
Christoph Hertrich

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: R4
Datum: 27.02.2018 11:15 – 12:45
Zuletzt geändert: 09.01.2018

Abstract


FRAGESTELLUNG
Das Erkenntnisinteresse  meiner Arbeit liegt darin, herauszufinden, welche Maßnahmen und Voraussetzungen von Experten für einen erfolgreichen differenzierten Wirtschaftsunterricht als relevant und umsetzbar angesehen werden. Als Zielsetzungen der Studie sollen Handlungsempfehlungen für einen erfolgreichen Umgang mit Heterogenität im Wirtschaftsunterricht generiert werden.
Schulpolitischer Hintergrund der Studie sind die seit 2011 deutlich veränderten Rahmenvorgaben zur Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg, welche den Verzicht auf sämtliche Formen der externen Differenzierung, das Aussetzen der Nichtversetzung (Kl. 5/6) etc. vorsehen. Diese verändern die Lehrtätigkeit an den Gemeinschaftsschulen und darüber hinaus (Kratzmeier 2013, S. 29). Um den häufig als Appell formulierten Forderungen, dass Lehrer die zunehmende Heterogenität als Chance verstehen sollten, eine fundierte didaktische Handlungsempfehlungen für den Wirtschaftsunterricht entgegensetzen zu können, ist eine Einschätzung derer, die mit der Heterogenität letztendlich umgehen müssen, erforderlich.

THEORETISCHER HINTERGRUND
In der Wirtschaftsdidaktik gibt es bisher noch wenige Forschungsergebnisse zur Planung und Steuerung von differenziertem Unterricht. Stattdessen wird auf allgemeine Ansätze  wie zum Beispiel der Lernzieltaxonomie nach Bloom (bei der Klassifikation von Aufgaben) zurückgegriffen und übergeordnete Prinzipien, wie das der Handlungsorientierung, verwendet (Arndt 2013, S. 193).
Beispielsweise hat die Mathematikdidaktik  im Gegensatz dazu bereits ein sehr präzises Verständnis von den unterschiedlichsten Hürden, die Lernerfolge erschweren, sowie detaillierte Erkenntnisse zur Frage,  wie bestimmte Aufgabenmerkmale eine fokussierte Förderung unterstützen können. Zudem liefert das von Leuders und Prediger entwickelte „ZAFE-Modell“ einen pragmatischen Leitfaden zur Planung von  differenziertem Unterricht (Leuders und Prediger 2016, S. 30). Das ZAFE-Modell bildet dabei die Differenzierungsdimensionen  Ziele, Aspekte, Formen und Ebenen ab, die bei der Unterrichtsplanung aufeinander abgestimmt werden müssen.
Diese Erkenntnisse aus anderen Fachbereichen sollen als Orientierungsrahmen in die Studie einbezogen werden. Hierfür sollen Expertenurteile erhoben werden, die unter anderem darüber Aufschluss geben können, inwiefern die unterschiedlichen Differenzlinien überhaupt für den Wirtschaftsunterricht von Bedeutung sind und welche Art von Verständnishürden für einen Lernerfolg  hinderlich sind. Ebenso soll es darum gehen, bereits in der Praxis erfolgreich umgesetzte Maßnahmen im Wirtschaftsunterricht zu identifizieren beziehungsweise herauszustellen, was  nicht praktikabel ist.

METHODEN
Diese Expertenurteile sollen in einer ersten, offen gestalteten Delphirunde erhoben und anschließend mit den anderen Aspekten zu einem kohärenten Modell zusammengeführt werden. Dieses wird in einer zweiten Delphirunde den Experten vorgelegt und von diesen analysiert bzw. bewertet. Als Experten sollen Lehrkräfte im Bereich Wirtschaft, Praktiker aus den Seminaren und Wirtschaftsdidaktiker an den Hochschulen zu Rate gezogen werden.


ERGEBNISSE

Bis zur Tagung im Februar liegen die ausgewerteten Ergebnisse aus der ersten Delphirunde vor. Zudem  soll das Fragebogenkonzept für die zweite Delphirunde im Rahmen des Vortrags vorgestellt und diskutiert werden.

 

 

 

 

Optionales Workshop-Konzept

Theoretischer Hintergrund.

Andere Fachbereiche, wie die Geographiedidaktik, orientieren sich bei Erstellung von Differenzierungskonzepten u.a.an Beiträgen aus dem englischsprachigen Raum, die den Fokus verstärkt auf die Ebene der Aufgaben und somit eine klare praktisch Umsetzbarkeit legen
(Uhlenwinkel 2008, S. 6).          
Als Klassifizierungsschema für verschiedene Aufgabentypen dient dabei das folgende Modell von Battersby (1995), zitiert nach Rawding (2004). Das Modell unterscheidet dabei, ob eine Differenzierung auf der Ebene des Materials, der Aufgabe oder Ergebnisse angestrebt werden soll und deckt vielseitige Kombinationsmöglichkeiten ab. Dieses Modell wurde inzwischen auch von deutschen Autoren aufgegriffen und die Begriffe entsprechend angepasst –Fächeraufgabe, Blütenaufgabe, Stufenaufgabe etc.- (Groeben 2013).