Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Professionsorientierte Fachwissenschaft im Lehramt Wirtschaft. Ein Beispiel konzipiert nach dem 4C/ID-Modell
Vivian Conrad, Franziska Birke

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: KG 4 R 219
Datum: 27.02.2018 11:15 – 12:45
Zuletzt geändert: 09.01.2018

Abstract


– Vivian Conrad, Franziska Birke –

Die Ausgestaltung professionsorientierter fachwissenschaftlicher Lehrveranstaltungen ist ein wichtiger Faktor für ein gelingendes Lehramtsstudium. Jedoch werden traditionell an den Universitäten nur in wenigen Fällen eigene fachwissenschaftliche Lehrveranstaltungen für Lehramtsstudierende angeboten und in noch weniger Fällen sind diese auch tatsächlich professionsorientiert ausgestaltet – also in Hinblick auf das spätere Handlungsfeld als Lehrer*in konzipiert. Das Problem ist im Lehramt Wirtschaft ebenfalls sehr groß, weil die zugrunde liegenden wirtschaftswissenschaftlichen Veranstaltungen meist mathematisch formalisiert auf einem sehr abstrakten Niveau gehalten werden und die Studierenden keine Hilfestellung dabei erfahren, dieses Wissen in das in der Schule relevante fachliche Wissen zu transformieren. Eine Lösung für eine größere Professionsorientierung können Zusatzveranstaltungen für Lehramtsstudierende sein; eine solche wurde für den Lehramtsstudiengang Wirtschaftswissenschaften an der Universität Freiburg entwickelt; sie soll hier vorgestellt werden.

Der zugrundeliegende Lehramtsstudiengang ist als polyvalenter Zwei-Hauptfächer-Bachelorstudiengang Wirtschaftswissenschaften mit Option Lehramt Gymnasien ausgestaltet und existiert seit dem Wintersemester 2015/16. Er wurde im Zuge der Lehrerbildungsreform in Baden-Württemberg eingerichtet. Für das Fach Wirtschaft ist dies eine Besonderheit, da es für das gymnasiale Lehramt bisher nur in der Kombination Politikwissenschaft/Wirtschaftswissenschaft studiert werden konnte.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass die fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen auch auf andere zukünftige berufliche Handlungsfelder, die mit dem polyvalenten Zwei-Hauptfächer-Bachelor angestrebt werden, vorbereiten sollten. Neben dem Lehrerberuf haben Absolvent*innen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge natürlich auch in anderen Berufen die Aufgabe, ökonomische Modelle auf reale Situationen hin anzuwenden und Reichweiten sowie Grenzen ökonomischer Modelle zu hinterfragen. Folglich kann die Entwicklung einer professionsorientierten Fachwissenschaft als eine Aufgabe gesehen werden, die sich über das Lehramt hinaus stellt. (Birke & Krieger, 2017).

Aus bisherigen Rückmeldungen der Studierenden ist bekannt, dass der Kurs Mikroökonomik als sehr theoretisch und wenig praxisbezogen gilt. Auf dieser Basis wurde ein kompetenzorientierter Kurs entworfen, der auf der einen Seite den Bezug zwischen den sehr abstrakten Modellen und gesellschaftlicher Realität reflektiert sowie auf der anderen Seite erste Hinweise auf das zukünftige Tätigkeitsfeld der Studierenden gibt. Da die Veranstaltung  polyvalent für unterschiedliche Berufsfelder zu gestalten ist, liegt der Fokus auf der Erklärung und Reflexion der wirtschaftswissenschaftlichen Modelle – im Sinne eines verbreiteten fachlichen Wissens (common content knowledge (CCK)) nach Hill et al. (2008). Ergänzt wird ein Bezug zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik über erste fachdidaktische Inhalte.

Folgende Lernziele sollten in der Veranstaltung, einer Übung zum Thema Mikroökonomie, erreicht werden: Die Studierenden 1. beschreiben und erklären ökonomische Denkweisen und wirtschaftswissenschaftliche Modelle, 2. reflektieren und diskutieren den Wert der wirtschaftswissenschaftlichen Modelle zur Erklärung der Realität, 3. identifizieren und erklären Stolpersteine beim Lernen der mikroökonomischen Grundlagen.

Als Basis für die Veranstaltung wurde das 4-Component-Instructional-Design (4C/ID) Modell verwendet, da dieses speziell für komplexes Lernen entwickelt wurde und die Reflexion der Theorie-Praxis-Verknüpfung  unterstützen kann (Kirschner & Van Merriënboer, 2008). Typische Beispiele für Lehrveranstaltungen nach dem 4C/ID-Modell gibt es bereits seit Längerem im Bereich der Fluglotsenausbildung, im technischen- oder Managementbereich sowie in der Medizin (Niegemann, 2004). In diesem Zusammenhang soll das Modell auf den Bereich der Lehrerbildung zur Ausgestaltung einer professionsorientierten fachwissenschaftlichen Veranstaltung angewendet werden.

Das Design des Kurses sowie die Ergebnisse der studentischen Evaluation sollen vorgestellt werden. Die Ergebnisse der Evaluation belegen, wie verschiedene Elemente sowie der Kurs insgesamt von den Studierenden wahrgenommen wurden. Diese Erkenntnisse werden als Grundlage für die weitere Lehrentwicklung verwendet.

 

References

Birke, F., Krieger, T. (09. September 2017). Wirtschaft in der Schule. Wie eine gute Lehrerausbildung aussehen sollte [Web Log Eintrag] Abgerufen von http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=21479

Hill, H. C., Ball, D. L., & Schilling, S. G. (2008). Unpacking Pedagogical Content Knowledge: Conceptualizing and Measuring Teachers' Topic-Specific Knowledge of Students. Journal of Research in Mathematics Education. (39/4), 372–400.

Kirschner, P. A., & Merriënboer, Jeroen J. G. van. (2008). Ten Steps to Complex Learning: A New Approach to Instruction and Instructional Design. In T. L. L. Good (Ed.), 21st Century Education. A Reference Handbook (pp. 244–253). Thousand Oaks: SAGE Publications.

Niegemann, H. M. (2004). Modelle des Instruktionsdesigns. Zu Möglichkeiten und Grenzen didaktischer Hilfestellungen. In U. Rinn (Ed.), Medien in der Wissenschaft: Vol. 21. Didaktik und Neue Medien. Konzepte und Anwendungen in der Hochschule ; [die in diesem Band versammelten Beiträge dokumentieren den Workshop "Didaktik und Neue Medien", der am 19. und 20. November 2002 am Institut für Wissensmedien in Tübingen stattfand] (pp. 102–122). Münster: Waxmann.