Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Woher die Freiheit bei all dem Zwange? Entrepreneurship Education between "Nudging" and "Boosting"
Ewald Mittelstädt, Laura Gianna Vieth

Zuletzt geändert: 08.02.2018

Abstract


Die Relevanz von Entrepreneurship und Entrepreneurship Education für die Innovationskraft von Unternehmen und die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften wurde in den letzten Jahrzehnten auch im politischen Raum erkannt. Die Förderung von Unternehmertum ist ein zentraler Bestandteil der EU-Agenda und ebenfalls in Regierungsprogrammen von Bund und Ländern in Deutschland geworden. Gleichzeitig ist festzustellen, dass zunehmend Erkenntnisse aus der Psychologie und der Verhaltensökonomik unter dem Schlagwort „Nudging“ bei der Gestaltung von fiskalischen, aber auch nicht-regulatorischen und nicht-monetären Politikinterventionen Einzug gehalten haben.

Dabei stellt sich die, schon von Kant 1785 in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, aufgeworfene Frage menschlicher Selbstwerdungsprozesse: „Woher die Freiheit bei all dem Zwange?“ im neuen Gewand. Kann ein „Schubsen“ in die Freiheit beruflicher aber auch persönlicher Selbstverwirklichung angemessen sein und kann es überhaupt gelingen?

Die Autoren diskutieren das Spannungsfeld von Entrepreneurship Education und Freiheit in Bezug zur Verhaltensökonomik. Dabei wird zwischen „Nudges“ und „Boosts“ differenziert. Diese beiden Ansätze unterscheiden sich in Bezug auf ihre a) unmittelbaren Interventionsziele, b) Forschungsprogrammatiken, c) Wirkungsweisen, d) Annahmen zu menschlicher Kognition, e) Reversibilität, f) programmatischen Ambitionen und g) normativen Implikationen. Abschließend wird ein Bewertungsschema für die Kategorisierung von Entrepreneurship-Education-Maßnahmen in Bezug auf ihr verhaltensökonomisches Design vorgeschlagen.