Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Ökonomie, Bildung, Freiheit – Eine synergetische Perspektive
Andreas Liening, Jan-Martin Geiger, Lilian Meller, Maximilian Schimanski

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: R1
Datum: 27.02.2018 11:15 – 12:45
Zuletzt geändert: 09.01.2018

Abstract


Freiheitlich-subsidiäre Prinzipien sind ein wesentliches Charakteristikum marktwirtschaftlich orientierter Gesellschaften. Ein an solchen Prinzipien ausgerichtetes Marktgeschehen ist dabei am ehesten in der Lage, Innovationen zu ermöglichen (Schumpeter, 1934) und auf diese Weise gesellschaftlichen Wohlstand zu nachhaltig zu sichern (Hayek, 1996). Was für das Wirtschaftsgeschehen im Allgemeinen gilt, gilt auch für Ökonomische Bildung im Besonderen: So gehen mit der Herausbildung von Innovationen, Unternehmen und Märkten auch immer die Herausbildung entsprechenden Wissens und einer korrespondierenden Haltung einher. Zielhorizont wirtschaftsdidaktischen Handelns ist es dabei, Lernende im Erwerb ökonomischen Wissens und dem Einnehmen einer ökonomischen Haltung zu unterstützen (Liening, 2015). Zu diesem Zwecke bedarf es adäquater, auf Freiwilligkeit basierender Lehr-Lernarrangements, da Zwang niemals zu Bildung führen kann.

Gegenstand dieses Beitrags ist daher die Thematisierung der Bedeutung von Freiheit in ökonomischen Lernarrangements. Zu diesem Zwecke erfolgt zunächst die Modellierung eines entsprechenden Bildungsprozesses mit Hilfe der Theorie der Synergetik (Haken, 1981), bei der Ökonomische Bildung als Selbstorganisationsprozess abgebildet wird. Auf diese Weise lassen sich verschiedene Komponenten wie kognitive Gewohnheiten und vorunterrichtliche Vorstellungen, die Herausbildung ökonomischen Wissens und einer ökonomischen Haltung sowie die Rolle des Lernarrangements sowohl jeweils separat als auch in einem ganzheitlichen Kontext betrachten.

Ferner wird im Rahmen eines aus der Theorie der Synergetik hergeleiteten quasi-Experiments veranschaulicht, welche Rolle die Variation von Freiheitsgraden in einer Lehr-Lernsituation mit Blick auf das Fachkonzept „Geschäftsmodell“ für den Lernprozess hat. Dieses beinhaltet ein prä-post-Design sowie eine Interventionsgruppe (höhere Freiheitsgrade u. a. durch weniger Instruktionen, n=44) und eine Kontrollgruppe (n=43). Mit Blick auf die Ergebnisse wird deutlich, dass höhere Freiheitsgrade in der Lernsituation einerseits tendenziell zu einer höheren Lernmotivation bei den Probanden führen (p<0,01). Andererseits erhöht sich bei den Teilnehmenden hierdurch auch die Unsicherheit über das Lernergebnis, was in einer geringeren Selbstwirksamkeitserwartung zum Ausdruck kommt (p<0,01).

Mit Blick auf die Praxis soll dieser Beitrag für die besondere Bedeutung von Freiheit nicht nur für eine gesamtgesellschaftliche Ebene, sondern auch für ökonomische Bildungsprozesse auf der individuellen Ebene sensibilisieren.

 

Literatur

Haken, Hermann (1981): Synergetik. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag.

Hayek, Friedrich August von (1996): Die Anmaßung von Wissen. Tübingen: Mohr.

Liening, Andreas (2015): Ökonomische Bildung: Grundlagen und neue synergetische Ansätze. Wiesbaden: Springer Gabler.

Schumpeter, Joseph (1934): Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Berlin.