Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Paternalismus: Ein Merkmal von Wirtschaftslehrerinnen und ‑lehrern?
Athanassios Pitsoulis, Astrid Lange

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: KG 4 R 219
Datum: 27.02.2018 14:45 – 16:15
Zuletzt geändert: 18.01.2018

Abstract


Obwohl Paternalismus allgegenwärtig ist (Kirchgässner, 2012) und paternalistische Eingriffe des Staates in das Wirtschaftsgeschehen kontrovers diskutiert werden, wissen wir doch noch erstaunlich wenig über dieses Konstrukt. Wir definieren paternalistisches Handeln (von Individuen, PädagogInnen, Institutionen, Staaten) ganz allgemein als „Maßnahmen der Fürsorge [verstehen], die mit Druck- und Zwangsmitteln ohne Zustimmung oder gegen den aktuellen Widerstand eines Menschen erfolgen“ (Rehbock, 2002, S. 133, Herv. and.). Der Begriff Paternalismus basiert dabei auf einer traditionellen Vater-Kind-Beziehung, in der der Vater führend lenkt, wobei er ein nicht zu hinterfragendes Grundverständnis für die wahren Bedürfnisse seines Kindes aufweist (vgl. Pellegrini & Scandura, 2008).

Während Paternalismus nicht nur kulturell unterschiedlich verstanden und assoziiert wird (vgl. Pellegrini & Scandura, 2008), hilft ein mehrdimensionales Verständnis von Paternalismus dabei, klarer über dieses Konstrukt zu sprechen. Vor allem das aus der Führungsforschung stammende 2x2-dimensionale Modell paternalistischer Führung von Aycan (2006) scheint uns geeignet, ein auch für pädagogischen Paternalismus passendes Denkinstrument zu liefern.

Im Rahmen unseres Tagungsbeitrages wollen wir uns speziell mit Einstellungen zu pädagogischem Paternalismus befassen. Motiviert aus früheren Forschungsbefunden untersuchen wir, wie diese Einstellungen bei angehenden LehrerInnen im Fach Wirtschaft ausgeprägt sind und ob sich deren Einstellungen von denen Studierender anderer Studienfächer bedeutsam unterscheiden. Hierzu wurden über 300 Studierende ein- bis zweimal im Sommersemester 2015 schriftlich befragt (n = 291 zum MZP1, n = 143 zum MZP2). Die Items (v.a. Einstellungen zum pädagogischen Paternalismus, Einstellungen zur paternalistischen Rolle des Staates) entstammen z.T. der Literatur, wurden aber für den Kontext pädagogischer Paternalismus adaptiert und durch eigene Items ergänzt.

Die Ergebnispräsentation umfasst die faktorenanalytische Aufbereitung der Items, die deskriptiven Ergebnisse der Stichprobe auf den interessierenden Paternalismus-Indikatoren sowie den Vergleich derjenigen, die Lehramt im Fach Wirtschaft studieren, mit denen, die ein anderes Fach ohne Lehramtsbezug studieren.

Die Ergebnisse tragen zur Reflektion der selbst zugeschrieben sowie von außen zugeschriebenen Rolle von LehrerInnen und somit auch zur Erwartungsklärung bei. Darüber hinaus sind die Ergebnisse im Lichte der Wirtschaftsdidaktik, in der Paternalismus beim staatlichen Handeln ja ein besonderes Themengebiet darstellt, dahingehend zu diskutieren, ob hieraus ein besonderer Handlungsbedarf für die universitäre Qualifizierung von WirtschaftlehrerInnen erwächst. Am Ende des Beitrages werden Implikationen für die künftige Forschung diskutiert.

LITERATUR:

Aycan, Z. (2006). Paternalism: Towards conceptual refinement and operationalization. In U. Kim, K.-S. Yang, & K.-K. Hwang (Eds.), Indigenous and cultural psychology: Understanding people in context (pp. 445-466). New York, NY, USA: Springer. doi: 10.1007/0-387-28662-4_20

Kirchgässner, G. (2012, July). Sanfter Paternalismus, meritorische Güter, und der normative Individualismus (Discussion Paper no. 2012-17). Retrieved from http://ux-tauri.unisg.ch/RePEc/usg/econwp/EWP-1217.pdf

Pellegrini, E. K., & Scandura, T. A. (2008). Paternalistic leadership: A review and agenda for future research. Journal of Management, 34(3), 566-593. doi:10.1177/0149206308316063

Rehbock, T. (2002). Autonomie – Fürsorge – Paternalismus. Ethik in der Medizin, 14(3), 131-150. doi:10.1007/s00481-002-0180-7