Deutsche Gesellschaft für Ökonomische Bildung, DeGÖB-Tagung 2018

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Willensfreiheit und die Einflussfaktoren auf ökonomisches Entscheidungsverhalten
Hannes Wriedt

Gebäude: Freiburg im Breisgau
Raum: KG 4 R 222
Datum: 27.02.2018 14:45 – 16:15
Zuletzt geändert: 18.01.2018

Abstract


Im ökonomischen Raum treffen wir tagtäglich unzählige Entscheidungen. Diese Entscheidungen können einerseits im Sinne der neoklassischen Theorie bzw. des Homo oeconomicus als „Bewohner eines moralfreien Territoriums“ (Meran 1991, S. 23) stets auf die Maximierung des eigenen Nutzens ausgerichtet sein (vgl. Aßländer 2015, S. 73). Anderseits wird ökonomisches Handeln beispielsweise bei Kaufentscheidungen von Einzelpersonen (nachhaltiger Konsum), aber auch beim Handeln von Unternehmen (Corporate Social Responsibility) zunehmend an moralischen Kriterien gemessen. Wirtschaftliches Entscheiden gerät demnach in das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Rationalität und Ethik (vgl. Suchanek 2007, S. 1).

Das Treffen von Entscheidungen wiederum hängt unmittelbar mit dem Konzept des freien Willens zusammen, kann dieser doch als Voraussetzung für das selbstbestimmte Auswählen von Handlungsalternativen und das Festlegen einer eigenen Präferenz gesehen werden, das auf der Grundlage individueller Neigungen und Motive erfolgt. Der freie Wille ist dabei aber sehr wohl korrumpierbar. Die Philosophie stellte spätestens seit Schopenhauer die Freiheit des Willens infrage und wies die Bewusstheit erlebter Willensentscheidungen als Illusion aus. Was sich schließlich als Wille bzw. Ergebnis eines Entscheidungsprozesses herausbildete, hänge von teilweise chaotischen Einflüssen innerhalb oder außerhalb des Subjekts ab (vgl. Schopenhauer 1978, S. 44 ff.). Es ist anzunehmen, dass auch bei ökonomischen Entscheidungen diese inneren und äußeren Einflüsse eine maßgebliche Rolle spielen und einen bewussten Willensbildungsprozess unterlaufen.

In dem Artikel sollen verschiedene Einflussfaktoren auf ökonomische Entscheidungsprozesse im Widerstreit vom ökonomischen Eigennutzstreben im Sinne der wirtschaftlichen Rationalität und dem Anspruch sozial verantwortlichen Handelns aufgezeigt werden. Dabei wird der Frage nachgegangen, wann und unter welchen Umständen Menschen in ökonomisch geprägten Entscheidungssituationen zu altruistischem, prosozialem und wann zu egoistischem, von Eigeninteresse geleitetem Verhalten neigen.

Um sich den Einflussfaktoren ökonomischen Entscheidens anzunähern, wurde ein Verhaltensexperiment entwickelt, in dem die ProbandInnen in Entscheidungssituationen gebracht wurden, in denen sie sich entweder für eine egoistische (Geldgewinn) oder aber eine altruistische Handlungsoption (Spende) entscheiden konnten. Dieses Experiment wurde mit insgesamt neun unterschiedlichen Seminargruppen mit insgesamt 154 Studierenden in fünf verschiedenen Variationen mit unterschiedlichen Treatments durchgeführt. In den Experimentalgruppen wurden vier unabhängige Variablen (monetäre Versuchung, affektives Priming, Einfluss sozial erwünschten Handelns und Indoktrination durch die Auseinandersetzung mit wirtschaftswissenschaftlichen Inhalten) in Zusammenhang mit dem Entscheidungsverhalten im Widerstreit von Altruismus und Egoismus (anhängige Variable) gebracht.

 

Die Ergebnisse der Studie zeigen auf, wie sehr ökonomisches Entscheiden von äußeren und inneren Einflussfaktoren abhängt. Aufgabe der Ökonomische Bildung könnte sein, auf Mechanismen der Beeinflussung hinzuweisen, um die Souveränität wirtschaftlichen Entscheidens zu erhöhen.


Literatur

 

Aßländer, Michael (2015): Gier als Tugend. Der Homo Oeconomicus und die Fiktion vom ei- gennützigen Handeln. In: Löhr, Albert u. Burkatzki, Eckhard (Hrsg.): Resozialisierung der ökonomischen Rationalität. Marburg, S. 79-99.

 

Meran, Josef (1991): Ethik und Wirtschaft in philosophischer Sicht. In: Nutzinger, Hans G. (Hrsg.): Wirtschaft und Ethik. Wiesbaden, S. 21-35.

 

Schopenhauer, Arthur (1978): Preisschrift über die Freiheit des Willens. Hamburg.

 

Suchanek, Andreas (2007): Ökonomische Ethik. Tübingen. 2. Aufl.